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Teil 2: Sardellen, Kapern, Kalbsmett.

 

Gegenüber in dem neu errichteten Hochhaus, wo die höheren Herrschaften der Versicherung residierten, würde es das nicht geben, da war er sich ganz sicher, aber hier bei der Schadensregulierung nahm man es nicht so genau. Das hatte er die letzten dreißig Jahre, seit er hier seine Lehre als Versicherungskaufmann angefangen hatte, genau verfolgt. Sein Blick fiel wieder auf Elvira, deren Rock noch ein Stück höher gerutscht war, und prompt meldete Waloschke sich, als wenn es das Selbstverständlichste von der Welt wäre.

Bruno legte den vierten perfekt angespitzten Stift neben die anderen in eine gerade Reihe und versuchte sich auf das satte Grün, in dem sie lackiert waren, zu konzentrieren. Doch auf diesen Trick fiel Waloschke nicht rein und schon im nächsten Moment hatte er Brunos Blick wieder auf  die blondierten Haare von Elvira gelenkt. Aber heute hatte Waloschke die Rechnung ohne Bruno gemacht!  Statt sich weiter von ihm malträtieren zu lassen, öffnete er die Schublade seines Schreibtisches und nahm ein Kochbuch heraus. Die einfache deutsche Küche. Königsberger Klopse hatte sich Mutter heute Abend gewünscht, und er studierte das Rezept. Zeile für Zeile. Sardellen, Kapern, Kalbsmett. Wo sollte er das herbekommen?  Von wegen einfach! Aber mit Tiefkühlkost und Dosensuppen brauchte er ihr nicht mehr zu kommen. Jeden Abend knurrte sie ihn muffig an, dass sie ihr ganzes Leben für ihn gesorgt hätte und nun ein bisschen Fürsorglichkeit erwarten könnte. Im Alter bettlägerig zu sein, ist wirklich nicht schön, seufzte Bruno und war froh, dass Waloschke sich wieder beruhigt hatte.

Am Wartehäuschen der Bushaltestelle senkte Bruno den Blick auf den Boden. Mussten die wirklich für Reizunterwäsche auf der Straße werben und dabei den nackten Busen junger Frauen zeigen? Verstohlen musterte er den Frauenkörper, der sich für den Fotografen auf dem Rücken räkelte, und war noch nicht einmal beim Bauchnabel angekommen, als Waloschke sich schon wieder meldete. Bruno schloss die Augen und kniff sich in den Arm. Gib Ruhe, zischte er, ich mache es nicht mehr. Nie mehr!

 

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